Neunziger Jahre
Die Wendejahre in Deutschland. Mit der Wiedervereinigung veränderte sich nicht nur das politische Koordinatensystem sondern auch die politischen Themen und das Interesse der jungen Menschen an der Politik. Während die Junge Union zehn Jahre zuvor einen starken Zulauf verzeichnet hatte, verlor sie Anfang der Neunziger jährlich fast 2000 Mitglieder. Diesem versuchte der neue JU-Landesvorsitzende Markus Sackmann mit klassischer Verbandsarbeit entgegenzuwirken. Bei diesem Programm alleine blieb es aber nicht: Die JU drängte stattdessen die CSU zu einer Erneuerung ihrer Regierungsmannschaft mit Ministerpräsident Max Streibl. Damit geriet die Junge Union nach einer Veröffentlichung im Münchner Merkur auch öffentlich in einen Zwiespalt zur CSU, die weiter an Streibl festhielt. Mitte der 90er Jahre kam die CSU mit dem neuen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wieder in ruhigere Fahrwasser. Auch die Junge Union wechselte wenig später ihre Führungsspitze. Markus Söder wurde JU-Chef. Auch ihm ging es um Erneuerungen, aber organisatorischer Art. Die Politikverdrossenheit nahm zu und den Parteien liefen Wähler und Mitglieder und vor allem der Nachwuchs davon. Wesentlichen Erfolg hatte Söder mit dem Thema Generationengerechtigkeit, das damals zum ersten mal in den Blickpunkt der Sozialpolitik rückte. Es wurde hierbei ein ausgefeiltes Reformkonzept vorgelegt. Die Thesen stießen vor allem bei den Sozialpolitikern der Union auf harsche Kritik. Doch mit der Einführung des demographischen Faktors konnte die JU für sich einen Erfolg verbuchen.
Nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 nahmen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine die mühsam erkämpften Reformen wieder zurück. In der CSU dagegen fand das Prinzip der Generationengerechtigkeit immer mehr Anhänger. Dass auch die Sozialpolitik der Union sich heute wesentlich daran orientiert, ist nicht zuletzt ein Verdienst der JU und ihrer Forderungen in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre.
Autor: Thomas Breitenfellner
Redaktion: Stefanie Sickinger



